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Halbmarathon - keine halbe Sache

Mit einer gezielten Vorbereitung zum erfolgreichen Halbmarathon!

Seit 1992 die Umstellung der Straßenlauf-Meisterschaftsdistanz von 25 km (Männer) und 15 km (Frauen) auf den einheitlichen Halbmarathon erfolgte, ist die Bedeutung dieser "krummen" Strecke wesentlich gestiegen.

Die Bestleistungen auf internationaler und nationaler Ebene wurden seit damals mehrmals deutlich verbessert. Auch im Volkslaufbereich werden immer häufiger Halbmarathons angeboten und auch gerne angenommen.

Mag. Alois Markschläger und Hans Polonyi (684) im Ziel nach 1:37

Mag. Wilhelm Lilge

Was macht den Lauf über die Distanz von 21,0975 km besonders? Was sind die Unterschiede im Vergleich zum "ganzen" Marathon oder auch zum 10-km-Lauf? Wie muß das Training für einen erfolgreichen Halbmarathon aussehen?

Der Halbmarathon ist oft einen Durchgangsstation zum Marathon. Eine seriöse Marathonvorbereitung erfordert einen hohen Trainingsaufwand, der für viele Läufer neben Beruf und Familie nicht aufzubringen ist. Auch Spitzenmarathonläufer können pro Jahr maximal drei Marathonläufe bestreiten, die Regenerationszeiten sind extrem lang.

Der Halbmarathon führt zwar über genau die halbe Distanz wie der Marathon, die Erholungszeit nach einem Lauf beträgt aber nur einen Bruchteil. Spätestens nach zwei Wochen sollten die letzten Spuren verwischt sein. Es ist durchaus sinnvoll, drei Wochen vor einem Marathon einen Halbmarathon als Test zu bestreiten.

Dieser Test ermöglicht eine gute Leistungsprognose für den Marathon nach der Formel: mögliche Marathonzeit = 2,11 x Halbmarathonzeit. Diese Relation gilt natürlich nur bei vergleichbaren Bedingungen und wenn im Training genügend lange Läufe (über 1:45 Std.) als Marathonvorbereitung absolviert wurden.

Treffpunkt eines breiten Laufpublikums

Jene Volksläufer, die in der Wettkampfsaison im Sommer vor allem über die üblichen Volkslaufdistanzen von 6 - 15 km teilnehmen, können in der Vorsaison problemlos bei einem Halbmarathon starten.

Dies gilt auch für die Bahnläufer (5.000 m, 10.000 m, aber auch Mittelstreckenläufer), die mit einem Wettkampf über die Überdistanz das Niveau der aeroben Ausdauer testen können. Auf der Halbmarathonstrecke treffen daher alle Aktiven von den Mittelstreckenläufern bis zu den Marathonläufern zusammen.

Für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit im Halbmarathon ist neben einer guten Grundlagenausdauer im Bereich des Fettstoffwechsels und des aeroben Kohlenhydratstoffwechsels vor allem eine hohe anaerobe Schwelle notwendig.

Das Fundament der Ausdauerpyramide stellen immer die vielen ruhigen Ausdauerlaufkilometer dar. Auf dieser Basis wird mit mittleren und schnellen Dauerläufen sowie extensiven Tempoläufen die wetttkampfspezifische Ausdauer entwickelt.

Anforderungen näher beim Zehner als beim Marathon

Die Zeitdauer des Wettkampfes ist im Gegensatz zum Marathon kaum lange genug, um die Glykogenspeicher leistungsminimierend zu entleeren, zumindest wenn man mit gut gefüllten Speichern an den Start geht.

Deshalb sind im Training extrem lange Dauerläufe (über 1:45 - 2:00 Std.) zur Ökonomisierung des Fettstoffwechsels eigentlich gar nicht notwendig. Damit kann sich der Halbmarathonläufer die extreme Beanspruchung des passiven Bewegungsapparates (Sehnen, Bänder, Gelenke) durch diese überlangen Läufe ersparen.

Die Anforderungen des Halbmarathons liegen deshalb näher beim 10-km-Lauf als beim Marathon. Wer über 10 km eine gute Form aufweist, wird diese auch beim Halbmarathon zeigen können. Ein guter Halbmarathon ist aber noch lange keine Garantie für einen guten Marathon. Nachfolgend finden Sie drei Varianten eines 10-Wochen-Trainingsplanes für einen Halbmarathon.

Plan 1 gilt für Läufer, die dreimal pro Woche trainieren (Jogger). Plan 2 ist für jene Läufer gedacht, die vier- bis fünfmal trainieren (Runner). Plan 3 ist schließlich für die leistungsorientierten Läufer, die sechs- bis siebenmal pro Woche Zeit fürs Training finden (Racer).

Herzfrequenzorientiertes Training

Damit die Pläne für unterschiedliche Leistungsniveaus eingesetzt werden können, finden Sie keine Geschwindigkeitsvorgaben, sondern Intensitätsstufen, die sich an Ihrer Herzfrequenz orientieren. Die Berechnungsgrundlage für die Intensitätsangaben stellt die maximale Herzfrequenz dar.

Im Idealfall ermitteln Sie diese im Zuge einer Ergometrie. Wenn Sie gesund und belastungsfähig sind, können Sie die maximale Herzfrequenz auch selbst ermitteln, indem Sie in ausgeruhtem Zustand ca. fünf Minuten schnell laufen und am Ende einen Endspurt machen, eventuell leicht bergauf. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich wirklich ausbelasten konnten, können Sie die Herzfrequenz am Ende als Maximalpuls heranziehen.

Als Richtwert für die maximale Herzfrequenz kann eventuell auch die Faustregel: 220 - Lebensalter dienen. Das herfrequenzorientierte Training ist praktisch nur mit einem Pulsmessgerät möglich, bei dem Sie auch Ober- und Untergrenzen einstellen können. Wenn Sie nun Ihre maximale Herzfrequenz wissen, können Sie Ihre Trainingsintensitäten anhand der Tabelle ermitteln.

Die Herzfrequenz kann aber nur zur Intensitätsfestlegung bei Belastungen mit einer Mindestdauer von cirka fünf Minuten herangezogen werden. Beim Intervalltraining in Form der extensiven Tempoläufe (z. B. 10 x 1.000 m) sollten Sie die Intensität über die Geschwindigkeit steuern. Die 1.000-m-Wiederholungen sollten jeweils cirka fünf Sekunden schneller sein als Ihr durchschnittliches, aktuell mögliches 10-km-Wettkampftempo.

Die 2.000-m-Wiederholungen werden im 10-km-Wettkampftempo gelaufen. Sie können beim Intervalltraining auch nach Gefühl vorgehen: Wenn alle Wiederholungen ungefähr gleich schnell sind und Sie nach der letzten Wiederholung das Gefühl haben, dass Sie notfalls auch noch ein oder zwei Läufe in der gleichen Zeit absolvieren können, dann haben Sie das richtige Tempo gewählt.

Periodisierungsschema für die 10 Wochen vor dem Halbmarathon

Jene Sportler, die nur dreimal pro Woche trainieren, benötigen während der zehnwöchigen Vorbereitung nur eine Erholungswoche (Woche 5), die mit "Reg." Gekennzeichnet ist. Die "Runner" und "Racer", die während der normalen Trainingswochen wegen der höheren Trainingshäufigkeit keine längeren Regenerationszeiten vorfinden, bekommen in der 4. und 7. Woche eine Erholungswoche.

Der Einsatz von "regenerativen Dauerläufen" erscheint auch nur bei jenen Sportlern sinnvoll, die mindestens vier- bis fünfmal pro Woche trainieren. Alle Läufer bekommen unmittelbar vor dem Halbmarathon natürlich eine leichte Woche. Jeweils eine Woche nach einer Regenerationswoche wäre ein Testwettkampf möglich (6 - 12 km oder ein Crosslauf).

Ziffern in ansteigender Reihenfolge zeigen die ansteigenden Belastung in diesem Zeitraum an. Zum erfolgreichen Einstieg in das Trainingsprogramm sollten Sie während der davor liegenden Wochen regelmäßig bereits gleich viele Trainingseinheiten, oder pro Woche eine Einheit weniger, absolviert haben.

Trainingsplan für die 10-Wochen-Halbmarathonvorbereitung

Die Reihenfolge der Trainingseinheiten innerhalb einer Woche kann entsprechend der zeitlichen Möglichkeiten auch getauscht werden. Deshalb sind auch keine Wochentage, nur Nummern angegeben. Allerdings sollten nicht mehrere belastende Einheiten unmittelbar aufeinander folgen.

Die "Jogger" sollten zwischen den Trainingstagen jeweils einen trainingsfreien Tag einschieben. Das "Auffüllen" der trainingsfreien Tage mit alternativen Ausdauersportarten (Schwimmen, Radfahren, Skilanglaufen) ist natürlich günstig, wenn die Qualität der Laufeinheiten dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Ab dem "Dauerlauf mittel" dürfen Sie auf das Ein- und Auslaufen nicht vergessen, das zur angegebenen Netto-Belastungsdauer noch hinzu kommt. Die jeweils entsprechenden Herzfrequenzen sollten Sie erst nach ca. 10 - 15 Minuten der Belastung erreichen, so dass der Durchschnitt der Herzfrequenz über die gesamte Belastungsdauer im gewünschten Bereich gemäß der obigen Tabelle liegt.

Mindestens zweimal pro Woche sollten alle Läufer in das Aufwärmprogramm einige Übungen aus dem "Lauf-ABC" (Kniehebellauf, Lauf mit Anfersen etc.) integrieren. Die längeren, ruhigen Dauerläufe werden mit einigen lockeren(!), kurzen (50 - 100 m) Steigerungsläufen abgeschlossen. Die extensiven Tempoläufe (ext. TL) sollten Sie ohne Spikes und eher auch nicht auf der Laufbahn, sondern am Asphalt laufen.

10-Wochen-Halbmarathon-Trainingsplan

Hier können Sie sich mit einem Rechtsklick den Trainingsplan im JPEG-Format herunterladen
Viel Erfolg bei Ihrem Halbmarathon wünscht Ihnen Mag. Wilhelm Lilge/IMSB/LAUFSPORTMAGAZIN

Das OK-Team würde sich freuen, Sie am Start des Int. Welser MAS-Magnetfeld Systeme Halbmarathon begrüßen zu können.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von Mag. Wilhelm Lilge (IMSB-Wien) und vom LAUFSPORTMAGAZIN zur Verfügung gestellt.

*Mag. Wilhelm Lilge: Staatlich geprüfter Trainer und Diplomtrainer für Leichtathletik und Triathlon, ÖLV-Spartentrainer, Leistungsdiagnostiker und Leiter des IMSB-Wien. Mag. Lilge publiziert im LAUFSPORTMAGAZIN regelmäßig Artikel zum Thema Ausdauertraining. Auch als Referent bei den verschiedensten (Lauf-)Seminaren ist Mag. Lilge eine gefragte Person.
Kontakt: www.imsb.at/wien.html e-mail: w.lilge@magnet.at Tel.: 01/720-43-64

*LAUFSPORTMAGAZIN: Seit 1984 am Markt ist das LAUFSPORTMAGAZIN (früher MARATHON) aus der Läuferszene nicht mehr wegzudenken. Ein umfassender Serviceteil befaßt sich in jeder Ausgabe mit dem optimalen Training. Die Inhalte richten sich dabei primär an die breite Schicht der Volksläufer, die meist Distanzen zwischen 5.000 m und Marathon absolvieren.

Im Reportagenteil gibt's aktuelle Berichte von nationalen und internationalen Events. Ein umfassender Ergebnisteil (INFOSPECIAL) mit vielen Resultaten und Vorschauen bildet den Statistikteil. Abgerundet wird Österreichs bekanntestes Laufmagazin mit den Bereichen Duathlon, Triathlon, Langlauf und Orientierungslauf.

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Noch 52 Tage bis zum 2. Mai 2010